Wussten Sie, dass...?
… die erste schriftliche Erwähnung der Burg aus dem Jahre 907 stammt?
… die erste Darstellung der Burg aus dem 14. Jahrhundert stammt?
… auf der Bratislavaer Burg einer Auslegung zufolge die Heilige Elisabeth geboren wurde?
... der Kronenturm das einzige Bauteil der bis heute erhaltenen romanischen Burg ist.
… das die Briefmarke mit dem Motiv der Bratislavaer Burg eine öffentliche Umfrage gewann?
... das Motiv der Bratislavaer Burg auch die slowakischen Euromünzen schmückt?
... der Erfinder Wolfgang Kempelen im 18. Jh. die Wasserversorgung der Burg gelöst hat?
...die Bratislavaer Burg als eine der am besten befestigten Burgen in ganz Ungarn galt?
...bei der Befestigung der Bratislavaer Burg wertvolle Reitpferde eingestellt wurden?
...sich im Burgpalast im 18. Jahrhundert auch eine Apotheke befand?
...auf der Bratislavaer Burg pompöse Hochzeit junger Kunigunde von Ungarn stattgefunden hatte?
...direkt unter den Fenstern der Bratislavaer Burg ein Freilichtkino stand?
Geschichte der Burg

Die Geschichte der Bratislavaer Burg reicht bis in die Zeit der Kelten und Römer zurück, da der Burgberg eine strategische Lage auf der Kreuzung bedeutender Handelswege hatte. Vor unserer Zeitrechnung lag an ihrer Stelle ein keltisches Oppidum, das einige Jahrhunderte später von einer römischen Grenzfestung ersetzt wurde.
Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 907, wo das Objekt unter der Bezeichnung Pressalauspruch erwähnt wird. Die Epoche des Neutraer Fürstentums und Großmähren wird durch Überbleibsel der alt-slawischen Burgstätte mit der dreischiffigen Basilika dokumentiert. Aus der slawischen Fürstenburg entstand durch mehrere Umbauten und bauliche Veränderungen eine mittelalterliche und seit Mitte des 11. Jahrhunderts auch eine Gauburg. Vorübergehend wurde sie zur Schatzkammer der Kronjuwelen und später zur Krönungsburg. Man errichtete hier eine Propstei und Kapitel samt Schule und Kirche des Allerheiligsten Erlösers. Schriftliche Urkunden belegen, dass im ersten Quartal des 13. Jahrhunderts am höchsten Geländepunkt ein romanischer Wohnturm mit selbständigem Bollwerk und Schutztürmen stand, aus denen trotz der vielen Umbauten der sog. Kronenturm bis zum heutigen Tag erhalten blieb.

Zu Lebzeiten des Königs Sigismund von Luxemburg hatte sich das Aussehen der Burg, angefangen im Jahr 1427, radikal zu ändern begonnen. Der Umbau hatte der Burg ihre jetzige Gestalt - ein Monumentalblockbau - eingeprägt. Der Herrscher ließ fast alle vorhandenen Bauten abreißen und langsam entstand ein großer, zweigeschossiger, gotischer Repräsentationspalast mit Trapezgrundriss. Aus den vorigen Objekten blieb nur der bis heute stehende südwestliche Schutzkronenturm erhalten. In dieser Zeit entstanden auch die zwei Eingangstore in das Burggelände, von denen nur das östliche sog. Sigismundtor erhalten blieb. Die reich gegliederte zweischalige Architektur mit einem steinmetzmäßig anspruchsvoll gestalteten Tor in Form eines Eselsrückens und das Netzgewölbe am Durchgang ließen sie zum Zentralpunkt der baulichen Entwicklung im ganzen Donautiefland aufsteigen, die zur damaligen Zeit als Vorlage für eine breite Architekturskala diente.
Die jetzige Disposition der Burg mit dem regelmäßigen, viereckigen Grundriss rund um den Zentralhofplatz ist das Ergebnis der baulichen Ausrichtung während der Renaissance- und Barockzeit. Nach der Schlacht von Mohács im Jahre 1526 wurde die Burg zum Krönungssitz ungarischer Könige, die von den Türken aus dem ursprünglichen Zentrum Ungarns in Buda vertrieben wurden.

Mit den baulichen Änderungen sollte nicht nur die Befestigung der Burg ausgebessert, sondern auch die Burg selbst modernisiert werden. Bei den Umbauten aus der Zeit des Grafen Pálffy in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts wurde der Palast um ein drittes Stockwerk aufgestockt und die zwei ursprünglichen Türme durch zwei weitere ergänzt. Die baulichen Veränderungen betrafen außerdem die Innenbereiche und Schutzelemente. An der südlichen Befestigung der Burg wurden Basteien errichtet und 1674 ist das Leopoldtor dazu gekommen.

Das goldene Zeitalter erlebte die Bratislavaer Burg in der Regierungszeit von Maria Theresia. Ihr Ausbaukonzept nach den Entwürfen bekannter französischer, italienischer und österreichischer Architekten sollten die Burg als Repräsentationssitz habsburgischer Könige den wichtigsten Königshöfen Europas gleichstellen.

Im westlichen Sitz der Burg wurde eine neue Repräsentationstreppe erbaut. Umfangreiche Änderungen unter Anwendung von Luxus und Zeitgeschmack erfolgten jedoch auf fernerem Burggelände. Neben dem östlichen Flügel des alten Palastes entstand ein neuer Flügel, der vor allem zur Unterkunft der Herrscherfamilie gedient hatte und als Theresianum bezeichnet wurde.

In der Burg wurden eine Bildergalerie, eine Bibliothek und wertvolle Kunstsammlungen eingerichtet; insbesondere das graphische Kabinett des Statthalters Albert Kasimir zu Sachsen, Herzog von Teschen, das später nach Wien verlagert wurde, wo es heute unter der Bezeichnung Albertina bekannt ist. Die geräumigen Geländeflächen wurden kultiviert – es entstanden Terrassen, französische Gärten, Orangerien, ein Sommer- und Winterreitsaal und Pferdeställe, in denen wertvolle Pferderassen gehalten wurden.

Nach dem Tode von Maria Theresia ist die Bratislavaer Burg deutlich verkommen. Ihr Sohn und Thronnachfolger Josef II. ließ dort ein Ausbildungszentrum der katholischen Geistlichkeit errichten, an dem viele bedeutende Gelehrte der damaligen Zeit studierten, darunter auch Anton Bernolák. In der Zeit der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts diente die Burg als Kaserne, was ihr letztendlich zum Verhängnis wurde. Durch Verschulden der Militärgarnison wurde die Burg im Jahre 1811 durch ein verheerendes Feuer zerstört und blieb für die nächsten 140 Jahre nur eine verfallende Ruine.
Nach einigen Renovierungsversuchen wurde der Burg erst von der großen Renovierung ab 1953 neues Leben eingehaucht. Das Konzept wurde von den Architekten Alfréd Piffl und Dušan Martinček verfasst. Nach der Renovierung erhielt die Burg ihre ursprüngliche Gestalt des Theresianischen Umbaus aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. 1961 wurde die Bratislavaer Burg zum nationalen Kulturdenkmal erklärt.



